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Grundschulgerecht Programmieren mit ScratchJr - Ein Erfahrungsbericht

In der Grundschule zu programmieren, ist das nicht zu schwer (für mich)?


Es steht im aktuellen bildungspolitischen Diskurs, digitale Medien in den Kinder- und Schulalltag sinnvoll zu integrieren. Politische Beschlüsse (bsp. KMK Bildungsstandards) und darauf inhaltlich aufbauende Bildungspläne fordern explizit die Entwicklung medialer Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern - Und das bereits in der Grundschule. Dem stimme ich zu, schließlich will ich den Nachwuchs auf die zunehmende Digitalisierung und den geforderten Fähigkeiten der Lebens- und Berufswelt vorbereiten. Ich stellte mir als angehende Lehrperson die Frage, wie ich Kinder diesbezüglich denn gut unterstützen kann…

… und dann bin ich auf ScratchJr gestoßen. Und ich kann nicht einmal richtig programmieren…


ScratchJr – Programmieren lernen ab 5 Jahren


Bei ScratchJr handelt es sich um eine kindgerecht entwickelte Programmiersprache, die es ermöglicht, animierte Geschichten und Clips zu programmieren. Die Sprache, sowie die gleichnamige App, wurden zusammen von der DevTech Research Group der Tufts University, der Lifelong Kindergarten Group des MIT Media Lab und der Playful Invention Company entwickelt. Empfohlen wir die Programmiersprache für Kinder im Alter von 5-7 Jahren. Anspruchsvoll ist sie meiner Erfahrung nach aber auch für Schüler bis zum Ende der 4. Klassenstufe.


Mit ScratchJr Geschichten erstellen


Bei ScratchJr wird an einem sogenannten Projekt gearbeitet. Dieses Projekt besteht aus leeren Seiten, die man für die Gestaltung einzelner animierter Szenen bearbeiten kann.





Es gibt die Möglichkeit, Hintergrund, Fotos, Objekte und Figuren in die Szenerie einzufügen. Diese können sowohl aus Vorlagen wie auch selbst in einem integrierten Malprogramm erstellt werden. ScratchJr eröffnet somit viele Möglichkeiten, die Geschichten kreativ nach eigenen Vorstellungen, Ideen zu gestalten



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Wie wird nun programmiert?


Bei der Programmiersprache ScratchJr sind die Befehle, die den einzelnen Objekten und Figuren zugeordnet werden können, in Form von Puzzleteilen (Programmblöcken) dargestellt. Für jedes Objekt/jede Figur kann eine Befehlskette (Skript) kodiert werden, die dessen Bewegungen und Aktionen darstellt. Dafür werden verschiedene Befehle (Puzzleteile) miteinander verbunden.


Beispielsweise kann eine Figur drei Schritte nach rechts gehen, nach oben springen, einen Salto machen, auf den Boden kommen und dann mit eigener aufgenommener Audiodatei „Juhuu!“ schreien. Sind dann noch mehrere Figuren auf einer Seite, muss das Skript (Befehle und Befehlsreihenfolge) mit den anderen Figuren abgestimmt sein, um beim Abspielen eine sinnvolle Handlungsabfolge zu ergeben. Neben Bewegungen, können beispielsweise auch Sprechblasen und Audiodateien eingefügt werden. So kann eine Geschichte mit Bewegungen, Geräuschen und Text programmiert werden.





Meine Erfahrung mit ScratchJr


Überzeugt von dem Konzept und der Bedienungsfreundlichkeit der App, habe ich mit drei Viertklässlern an einer Comic-Werkstatt gearbeitet. Als Vorbereitung für die Arbeit mit ScratchJr habe ich im Voraus eigene Superheldenpersönlichkeiten entwickeln, zeichnen und Superheldengeschichten schreiben lassen. Meine Intention war es, den Schülern einen inhaltlichen Rahmen und Orientierung zu geben, bevor sie in der App drauf loskodieren. Nach einer kleinen Einführung, welche grundlegenden Funktionen und Möglichkeiten die App mit sich bringt, wurde in der App kreiert und kodiert. Zunächst einmal mussten verschiedene kreative Hürden überwunden werden. Wie gestalte ich meinen Hintergrund so, wie ich ihn mir vorstelle? Dann wurde der zuvor selbst entwickelte Superheld im Malprogramm erstellt (da es ihn nicht als Vorlage gab). Passende Vorlagen für weitere Figuren und Objekte wurden ausgesucht und angepasst. Erst wenn die Szenerie einigermaßen stimmig war, wurde die Handlung der Figuren geschrieben.


Die vielen Funktionen und Befehle sind dabei teilweise eigenständig erforscht und ausprobiert worden. Durch das jederzeit mögliche Abspielen der aktuellen Seite, prüften die Kinder selbstständig, ob das kodierte Skript die gewünschte Handlung der Figuren ausgibt. Die „Fehler“ wurden dann in der Kodierung untersucht, verändert und erneut auf ihren Ausgabeeffekt erprobt, was wiederum auch zum Verständnis der einzelnen Befehle führte. Im Großen und Ganzen haben die Schüler sehr fokussiert gearbeitet und die Arbeit mit der App sehr befürwortet. Eines der Kinder hat mich nachmittags 10-mal angerufen (und aus dem Mittagsschläfchen geklingelt), um den Namen dieser App zu erfahren, weil er unbedingt Zuhause weiterkodieren wollte (Yessss!). Ein voller Erfolg.




Mehrwert von ScratchJr


Nach meinen Unterrichtseinheiten zu ScratchJr konnte ich folgenden Mehrwert erkennen:

Einstieg in die Befehlslogik von ProgrammiersprachenNeugier für das Fach Informatik früh (bereits in der Grundschule) weckenBewusstsein für das Fach Informatik entwickelnFörderung von Kreativität UND LogikSelbstständiges ProblemlösenÜber Comic, Fernsehserien, Videospiele sprechen (Überleitung zur Medienkritik, Interessen der Schüler einbinden)Für Projektarbeit/-unterricht geeignetLehrperson muss keine Erfahrung in Programmiersprachen haben – ScratchJr ist kinderleicht zu verstehen


Realisierbar?


Die Realisierungsmöglichkeit von ScratchJr hängt im Unterricht leider davon ab, ob die Schule oder die Lehrkraft, Tablets zur Verfügung stellen kann (und will). Tablets zählen heutzutage noch nicht zur gängigen Ausstattung einer Grundschule, trotz großem bildungspolitischen Tamm Tamm bezüglich Förderung digitaler Medien in Schulen. Auch ist das Mitbringen eigener technischer Geräte von Seiten des Lehrers aus mit gewissen Risiken verbunden. Wer haftet, wenn Schüler mein teures Tablet beschädigen? Und selbst wenn ein Tablet zur Verfügung gestellt werden kann, versichere ich, die Schüler werden fast ALLE sofort damit arbeiten wollen.

Es lohnt sich allerdings, die organisatorischen Hürden zu lösen. Die Arbeit mit ScratchJr ist nämlich modern, kreativ, macht Spaß, kann in vielen fachlichen Kontexten eingebunden werden und wird dem Anspruch des Lernens mit digitalen Medien in der Grundschule gerecht. ScratchJr ist kostenlos, wieso dann nicht einmal kurz testen und sich begeistern lassen.





Quellen/Nachweise:


https://www.scratchjr.org/ https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2017/Digitalstrategie_KMK_Weiterbildung.pdf