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Leben ohne Tutorial - Detroid: the heavy Fahrenheit


Heute: Audiovisuelles Interaktionsmedium. Kurz: Film


Seit dem verfluchten Tag damals in den späten Neunzigern oder frühen Zweitausendern, an dem Ich das erste Mal einen Film auf DVD kaufte, dessen Rückseite den Bonus Inhalt "Interaktives Filmerlebnis" anpries, habe Ich ein Problem damit Herstellern zu vertrauen, wenn es um deren Interpretation von Interaktivität geht. 

Ich hatte damals schon diverse FMV-Computerspiele sowie Dragons Lair gespielt. Ich wusste also, dass es nie weit her war mit dem interaktiven Teil, vom Erlebnis ganz zu schweigen. 

Der Filmaspekt blieb mir ebenfalls verwehrt, weil ich mich nur darauf konzentrierte den richtigen Knopf zur richtigen Zeit zu drücken. Wie ein Schimpanse in einer Siriuskapsel die Richtung Stratosphäre düste, hatte Ich nur Augen für blinkende Lichter und nicht für das Schauspiel vor meinem Fenster.

Diese DVD suggerierte mir, ich könnte aktiv am Verlauf des Filmes partizipieren. Ich könnte zum Beispiel Pauly Shore in Steinzeit Jr. mittels Knopfdruck wiederholt in die Fresse schlagen lassen und der Welt damit viel Elend ersparen.

Stattdessen aber wurde mir nur ein Interviewschnipsel abgespielt. An diesem Tag starb nicht nur meine Seele, Pauly Shore durfte auch noch weiterleben. Da sage noch einer es gäbe einen Gott.

Bevor Ich wusste das David Cage vergleichbar mit Herpes war (jeder kennt es, niemand will es), spielte Ich sein erstes Spiel "Nomade Soul" von Quantic Dreams. Ein "interaktiver Film mit fotorealistischer Grafik und dynamischen Entscheidungen" wie die Werbung verkündete (klingt irgendwie vertraut, oder?). David Bowie machte die Musik und übernahm eine Rolle. Klingt soweit gut. 

Das verschwommene Gesicht von Pauly Shore erschien mir vor meinem inneren Auge, so wie Victor Pascov dem Vater in Friedhof der Kuscheltiere erschien, um ihn vor der drohenden Gefahr des Micmac Friedhofs zu warnen.

Das Spiel war, noch völlig uncageig, tatsächlich ein Spiel. Das Setting mit dem Seelen Transfer und Zukunftsmotiven war ansprechend genug, die Grafik war zeitgemäß und die Musik war von Bowie. Mein Glaube an das Genre war also partiell wiederhergestellt. 

Dann kam Fahrenheit. Wie jeder andere fand Ich die ersten zwei Stunden überwältigend. Die Prämisse Jäger und Gejagten zu spielen, parallele Handlungsstränge zu führen und das mit einer modernen Präsentation. Großartig. 

Meine Stirn hat sogar nur leichte Falten des Fremdschämens entwickelt als David Cage im Tutorial die Funktionen des Spiels erklärte. Ich empfand das damals als einen interessanten Bruch der vierten Wand. 




Wofür Ich mich vermutlich irgendwann vor Gott rechtfertigen muss. Dann wurde Ich von riesigen Bettwanzen attackiert und kämpfte Matrixmäßig auf Häuserdächern. Was war jetzt denn passiert?

Hatte ich ausversehen Enter The Matrix gestartet? Qu'est-ce que c'est, David? Ich meinte Pauly Shore aus dem Augenwinkel wahrzunehmen.

Das war alles nicht richtig. Das Spiel war vor einer Minute doch noch gut gewesen. 

Als würde man mit Julia Roberts nachhause gehen und neben einem angeschossenen Gnu aufwachen. Während Ich das Spiel durchspielte konnte man, wenn man ganz leise war, das Brechen meines Herzens hören.


Jahre später, in einem Moment der Schwäche, spielte ich Heavy Rain. Sagt jedenfalls mein Psychologe. Ich selber erinnere mich nicht daran. Ich erinnere mich ebenfalls nicht daran, nackt und nur mit einem roten Luftballon bewaffnet durch die Innenstadt zu rennen und manisch lachend nach Jason gerufen zu haben. Der Polizeibericht sagt da etwas anderes.

Man könnte mit Fug und Recht behaupten, dass Ich genug von Quantic Dreams hatte. Also spielte Ich “the Walking Dead – Season 1” von TellTale. Das war doch genau was Ich wollte. Die Entscheidungen fühlten sich so bedeutend an. Die Charaktere waren sympathisch. Die Story war wie aus dem Comic und am Ende kamen mir, wie es heute jeder Clickbaitartikel ausdrückt, die Tränen. 

Dann spielte Ich es ein zweites Mal. Kennst Du, lieber Leser, diese Zeitrafferaufnahmen von verwesenden Körpern? Das passiert mit mir, nur nicht im Zeitraffer. Meine Gesichtszüge entgleisten, ich wurde hohlwangig und am Ende sah Ich aus wie ein Nazi, der die Bundeslade geöffnet hatte. Erinnerst Du dich an diese Abenteuerbücher, bei denen man je nach Entscheidung auf einer anderen Seite weiterliest? Man aber seinen Finger auf der Ursprungsseite lässt, falls die Entscheidungen dumm verlief? 

TellTale macht Spiele, die genauso sind. Mit der Ausnahme, dass man nie blättern muss, sondern einfach stur durcharbeitet.


Aber Borderlands von TellTale ist witzig. Drauf geschissen! Day of the Tentacle ist witzig UND ein Spiel. Wenn Ich etwas will, das nur witzig ist, lese ich was von Pratchett.


Dann machte TellTale ein Batman-Spiel. Ich freute mich darauf Y zu drücken um "...." zu sagen und am Ende dasselbe Outro wie jeder andere zu bekommen. Wenn das ein Spiel ist, dann ist Brot toasten auch ein Spiel. Nur mit einer besseren Engine. RUCKELT WENIGSTENS NICHT BEIM RAUS SPRINGEN.


Über Untill Dawn, kann Ich wenig Schlechtes sagen, außer das einige Entscheidungen etwas zu nebulöse Ergebnisse nach sich ziehen. Warum stirbt jemand früher, wenn man ihn rettet, aber überlebt, wenn man es nicht tut? Da fühle Ich mich als Spieler ein bisschen vom Entscheidungsprozess ausgeschlossen. Untill Dawn ist aber für mich besser als alle David Cage-Spiele. Wenn nicht von der Prämisse, dann von der Ausführung.


Dennoch werde Ich mir das nächste David Cage Spiel besorgen. Warum?

Pauly Shore hat einen Gastauftritt. Diesmal erwische ich ihn.