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  • Morten

New Game +: A short story about gaming



Hiermit heiße ich die geneigten Leserinnen und Leser willkommen zur zweiten Runde bei New Game +. Die Kolumne für diejenigen, die hinter die Kulissen schauen wollen, um die obszönen Wahrheiten dahinter zu betrachten.



Heute geht es um uns Gamerinnen und Gamer und warum wir das tun, was wir tun. Hast du schon mal darüber nachgedacht, warum Du spielst? Tatsächlich macht das jeder Mensch und wir waren uns lange nicht sicher warum wir das tun. Aber aufgrund interessanter Forschungsarbeiten haben wir nun aber zumindest eine Idee, warum wir so gerne spielen.


Wenn man sich das Hobby Videospielen aus der Distanz betrachtet, ist das was wir da tun eigentlich sehr seltsam. Biologisch gesehen sind wir Menschenaffen, die vor etwa 8000 – 10.000 Jahren zuerst auf die Idee kamen, sich permanente Siedlungen aufzubauen und davor als Nomaden durch die Wildnis gezogen sind, um genug Nahrung zu finden und nicht in der Wildnis selbst gefressen zu werden. Das war eine beschwerliche Zeit mit miserabler LTE-Verbindung, die nur auf das Überleben ausgelegt war.


Seit dieser Zeit hat sich der moderne Mensch biologisch kaum weiterentwickelt. Daher gehen Anthropologen davon aus, dass die damaligen Menschen wohl auch einen Playstation-Controller hätten bedienen können, um fröhlich Final Fantasy VII zu spielen. Auch wenn diese dabei einen guten Übersetzer bräuchten, weil dieselben Anthropologen keinen blassen Schimmer haben, welche Sprachen diese Menschen wohl gesprochen haben.




Die Umgebung, in der unsere Vorfahren wahrscheinlich überleben musste (ca. 6000 v. Chr.)


Aber was hat das Überleben in nomadischen Stämmen und das Drücken der Tasten einer Spielekonsole miteinander zu tun? Und warum hat man während des Spielens das Gefühl, dass das Drücken von diesen Tasten eine Bedeutung hat?


Tatsächlich hat das Leben in solchen Stammesgemeinschaften genau die Arten von Herausforderungen geboten, die uns über die Zeit zu guten Spielern gemacht haben:

Zum einen waren die Ressourcen zum Überleben meist knapp und es war nicht genug Nahrung und Felle für alle Stämme da. Daher mussten unsere Vorfahren häufig nicht nur Angriffe von Tieren der Wildnis abwehren, sondern auch Angriffe von anderen Stämmen, die verzweifelt genug waren. Und wie bereiteten unsere Vorfahren sich auf diesen Ernstfall am besten vor?


Indem man diese Kämpfe untereinander übt und den Kampf in einer Situation erprobt, in der es nicht um Leben oder Tod geht. Der Soziologe nennt das „soziale Kämpfe“ und wir Menschen lieben sie. Hast du dich einmal gefragt, warum es so viele Spiele und Sportarten gibt, in denen es darum geht, die Konkurrenz zu übertreffen? Weil diese „sozialen Kämpfe“ mittlerweile fester Bestandteil unserer Biologie sind und wir immer noch das Bedürfnis haben und uns mit anderen Menschen zu messen.


Ein anderer Aspekt, des Überlebens in Stämmen hat mit der Arbeitsverteilung in diesen Gesellschaften zu tun. Wenn eine Gruppe eine gewisse Größe erreicht, dann kann man nicht damit durchkommen, dass jedes Mitglied die gleichen Aufgaben erledigt. Schließlich kann nicht jeder auf die Jagd gehen, und damit die Kinder schutzlos im Lager zurücklassen. Außerdem würden die Kinder dann nichts lernen und später nicht den Stamm am Leben erhalten. Also brauchten unsere Vorfahren eine einfache Rollenverteilung. Die Verantwortlichkeiten mussten einfach sein und das, was zu tun ist, musste schnell mündlich weitergegeben werden können.


Schließlich konnte jederzeit ein Mitglied deines Stammes an einer Erkältung sterben oder von einem Bären gefressen werden. Die Rollen waren also fest, aber der der diese erfüllt muss austauschbar sein. So haben wir uns zu Geschichtenerzählern und Rollenspielern entwickelt und das ist keine Übertreibung: Auch heute fragen wir nach welchen Beruf (oder Rolle) unsere Mitmenschen ausüben, sei es im Beruf selbst oder sogar beim Dating.



Soziale Kämpfe zwischen Spielerinnen und Spielern (Aufnahme nachcoloriert)


Der dritte Aspekt hat mit unseren Händen zu tun. Bitte, werter Leser, nutze nun diesen Moment, um deine Hände zu betrachten. Was fällt dir auf?

Möglicherweise, dass unsere Hände sehr filigran sind, wenn man diese mit Tieren vergleicht. Außerdem sind wir in der Lage, jeden Finger unabhängig voneinander zu bewegen und können komplexe Bewegungen mit allen Fingern ausführen. Diese Eigenschaften sind in der Tierwelt einzigartig und sind so nur bei uns Menschen zu finden. Aber wozu brauchten wir das, wenn wir doch in Stämmen gelebt haben? Die Antwort sind Werkzeuge. Unsere Vorfahren haben sie für alles Mögliche genutzt, aber vor allem für Bearbeiten von Nahrung und Baumaterial und als Waffen.


Dafür braucht man Kraft und Geschick und unsere Gehirne und Hände haben sich mit der Zeit angepasst. Ist dir schon mal aufgefallen, dass du deine Hand drehen kannst, ohne deinen Oberarm zu bewegen? Dieser Muskel, den wir dafür nutzen, hat sich entwickelt damit wir besser Keulen schwingen können.

Jetzt haben wir ein so ausgeprägtes Verhältnis mit unseren Händen und unseren Werkzeugen, dass wir nicht anders können, als Knöpfe zu drücken. Wir drücken sie gerne und verstecken sie dann hinter Glas, wenn sie nur im Notfall gedrückt werden sollen. Übrigens waren die Knöpfe zum Starten von Atomraketen zum Anfang des kalten Krieges bei den Amerikanern nicht mit solchen Sicherheitsmaßnahmen versehen. Das sagt vieles über unsere Sicherheitsbedürfnisse aus, denke ich.


Aber zurück zum Thema. Wir lieben es uns über unsere Werkzeuge aufzuregen. Wer hat nicht schon einmal Lag in einem Spiel erlebt und sich dann darüber aufgeregt? Dieses Verhalten ist in Maßen absolut natürlich. Und Schuld ist Holz. Ja genau das Holz, was wir um uns herumhaben und aus dem wir immer noch unsere Werkzeuge und Möbel fertigen. Warum ist das ein Problem? Ganz einfach: Holz ist leicht zu bearbeiten, aber neigt dazu unter Stress zu biegen und zu splittern, was bedeutet, dass unsere Vorfahren ständig mit verbogenen und splitternden Werkzeugen zu tun hatten.


Biologisch betrachtet haben wir daher eine natürliche Abneigung gegen unzuverlässige Werkzeuge entwickelt. Das ist übrigens der Grund warum wir auch manchmal das Bedürfnis haben unsere kaputten Geräte zu schlagen. („perkussive Reparatur“ nennen die Experten das) Denn unsere Vorfahren konnten damals schließlich wirklich verbogene Werkzeuge reparieren, indem sie Gewalt angewendet haben.


Das Alles hat uns Menschen zu natürlichen Spielern gemacht, auch wenn nicht jeder sich mit Videospielen beschäftigt, so haben wir doch die Veranlagungen dazu. Wir alle haben die Veranlagung uns in Spielen zu messen und in andere Rollen zu schlüpfen. Und wir lieben es Knöpfe zu drücken.



Bleibt es nur zu hoffen, dass wir Menschen das Spielen auch endlich als natürlich akzeptieren und uns nicht ständig bei den nächsten „Killerspiel-Debatten“ dafür rechtfertigen müssen.


Aber das ist ein Thema für einen anderen Tag.

Denkt an eure Vorfahren und spielt los.


Euer Morten