• Instagram - Weiß Kreis

© 2023 by TheHours. Proudly created with Wix.com

  • Josy

Was macht eigentlich die Hochschule Kempten auf der Gamescom?

Aktualisiert: 28. Aug 2019




Während der Gamescom geht es für die meisten Besucher um das Ausprobieren von neuen Spielen. Die Hochschule Kempten ist ein Ansprechpartner für die Menschen, die sich für das Programmieren und designen von Videospielen interessieren. 

Wir haben mit den Studierenden und ihrem Professor für Games Engineering über ihr Erlebnis auf der Gamescom und über Spieleentwicklung in Deutschland gesprochen.


RagingTeaParty: Was macht die Hochschule Kempten auf der Gamescom 2019 und wen möchtet ihr mit eurem Stand ansprechen ?


Prof. Dr. Tobias Breiner: Unsere Zielgruppe sind Abiturient/innen und Absolvent/innen, die eine Fachhochschulreife haben und Lust auf das Programmieren von Videospielen und das Erstellen von Game-Engines haben. Eine zweite Zielgruppe sind außerdem alle, die Kooperationspartner von uns werden möchten.


RagingTeaParty: Was für Gespräche hattet ihr während eurer Woche hier?


Prof. Dr. Tobias Breiner: Die Themen sind sehr unterschiedlich, je nachdem wen wir an unserem Stand getroffen haben. Das reicht von Ärtzen, die Modelle für dreidimensionale Schnitte realisieren möchten bis zu Spielfirmen, die Spielentwickler suchen. Dieses Jahr waren dabei auch viele asiatische Spielentwickler, die jetzt auch verstärkt im europäischen Markt suchen. Außerdem hatten wir einen Wissenschaftler hier, der gerne eine Hochschulkooperation gemacht hätte und die Polarlichter gerne dreidimensional simulieren wollte. Das sind viele Themen, die einem nicht sofort in den Sinn kommen, wenn man an die Gamescom denkt.


RagingTeaParty: Wie ist das für euch Studierende hier mit bei der Gamescom dabei zu sein?


Studierender: Für uns ist das eine tolle Möglichkeit, weil wir zur Gamescom kommen und hier auch die unterschiedlichsten Leute treffen an unserem Stand. Es wird vorher bekanntgegeben, ob es wieder einen Stand geben wird und dann haben die Studierenden die Möglichkeit, sich zu melden, wenn sie die Hochschule hier vertreten möchten.


RagingTeaParty: Spielentwicklung ist ja für viele junge Leute ein Bereich, in dem sie gerne arbeiten würden, der aber unerreichbar scheint. Wie kamst du zur Spielentwicklung und welche Erfahrungen hast du gemacht? 


Studierender:  Die Verbindung zu Spielen hatte ich schon lange. Meine ersten Ansätze zu eigenen Spielen hatte ich schon mit zehn Jahren ungefähr, die Verbindung zu den Spielen selbst hatte ich, seitdem wir einen eigenen Computer zu Hause hatten. Da ich später gemerkt habe, dass ich mich im Bereich Computer, IT und Technik gut auskenne, hab ich mich nach der Schule dann direkt bei einigen Hochschulen beworben, allerdings eher für Informatik. Eine Bewerbung habe ich auch an meine jetzige Hochschule abgeschickt, das war die einzige mit dem Bereich Games Engineering. Als ich dann die Zusage bekommen habe, war für mich schnell klar, dass mich Games Engineering mehr reizt. 


RagingTeaParty: Ihr bietet mit eurer Hochschule eines der wenigen offiziellen Angebote, um in Deutschland zum Spielentwickler oder Designer ausgebildet zu werden. Wie bewertet ihr die Situation in Deutschland momentan? 


Prof. Dr. Tobias Breiner: Wir sehen auch, dass was Ausbildung und Förderung angeht, Deutschland sich da in einer schwierigen Situation befindet. Es wurde viel zu spät erkannt, dass Videospiele wichtig sind in unserer Gesellschaft und in unserer Wirtschaft. Da sind uns andere Länder wie Kanada oder Frankreich weit voraus.  Während hier in den 1990er und 2000er Jahren diskutiert wurde über Videospiele als Killerspiele und Spiele regelrecht als “Baller”spiele bekämpft wurden, da hat man in Kanada längst schon Computerspiele gefördert. Deswegen sind dort auch die meisten großen Spielfirmen auch dort gelandet. Mittlerweile hat sich in Deutschland da ein Paradigmenwechsel vollzogen, so dass hier mittlerweile auch eine Förderung stattfindet. Leider scheint es jetzt schon fast zu spät zu sein und der Zug ist fast abgefahren. Das ist vergleichbar mit einem rasenden ICE, auf den man jetzt noch versucht aufzuspringen. 


RagingTeaParty: Habt ihr als Professoren zu euren Absolventen zum Teil noch Kontakt, oder wisst ihr wohin es die Studierenden verschlägt, wenn sie das Studium bei euch absolviert haben? Prof. Dr. Tobias Breiner: Zum Teil, das hängt sehr von den Personen selbst ab. Was mich jedoch freute war, dass ich auf der Gamescom selbst ca. 40 Studierenden von uns wieder getroffen habe und sie auf die unterschiedlichsten Bereiche verteilt waren. Die Studierenden sind alle bei tollen Jobs untergekommen und das freut einen als Professor dann natürlich.


Leider muss man aber auch hier sagen, wandern auch fast alle Studierenden mittlerweile ab ins Ausland, weil die Chancen dort erfolgreich zu sein größer werden. Das macht unsere Situation natürlich schwieriger, da man klar sagen muss, dass die hellsten Köpfe und die zukünftigen Entwickler alle aus Deutschland abwandern. Sie werden hier bei uns im Land ausgebildet, arbeiten dann aber im Ausland, was wirtschaftlich gesehen wiederum schade ist. Man muss aber auch dazu sagen, dass die jungen Entwickler dann massiv abgeworben werden und dass im Ausland die Jobs bei den großen Entwicklerfirmen warten, so etwas findet man dann in Deutschland einfach nicht.


RagingTeaParty: Wenn jetzt jemand Interesse an dem Bereich bekommen hat, was sollte er mitbringen, wenn er bei euch studieren möchte?


Prof. Dr. Tobias Breiner: Das allerwichtigste in diesem Bereich ist die Motivation. Denn wenn ich von etwas begeistert bin, dann stecke ich Herzblut in mein Projekt. Und nur mit so einer Einstellung kann man letztendlich irgendwann erfolgreich werden. Fachlich ist es gut, wenn man Interesse an dem Bereich Naturwissenschaften und logisches Denken mitbringt, aber auch der kreative Anteil an der Spielentwicklung sollte nicht unterschätzt werden. Sicherlich hat man meistens einen Schwerpunkt, wenn man aber beide Bereiche verbindet, hat man aber tolle Chancen etwas zu schaffen in der Branche.  



Für die Gamescom hat sich das Team der Hochschule extra ein paar Cosplay-Outfits mitgebracht.